Bobbycar2010

„Lemgos kleinstes elektronisches Fahrzeug“
Die Realschule Lemgo baut solarbetriebenes Bobby Car und stellt das Projekt auf der Solar Mobil Messe in Berlin vor.
 
 
 
Es ist schon faszinierend, wie Philip Oetting auf dem für ihn viel zu kleinen Bobby Car über den Schulhof flitzt. „Der hat doch bestimmt mehr als 20 km/h drauf“ ruft jemand von den oberen Klassenräumen herunter. Die Nasen dicht an die Fenster der Klassenräume gedrückt, schauen die Realschüler den Zehntklässlern beim Rennen zu. „Pass auf, scharfe Kurve“, ruft Leon aus der sechsten Klasse“. Und beinah wäre es passiert, aber die brandneu entwickelten Solarbobbycars sind mit Allem, was ein richtiges Auto auch hat, ausgestattet und dank einem super Fahrwerk schafft es Philip sicher durchs Ziel.
 
„Die Probefahrten haben am meisten Spaß gemacht“, freut er sich. „Hier sind die Räder schon mal richtig durchgedreht“. Doch warum sitzen Schüler der zehnten Klasse der Realschule Lemgo auf für sie viel zu kleinen selbstentwickelten und präparierten Bobby Cars? „Das Ganze war ein Projekt unseres Technik Kurses, mit dem wir uns für die Solar Mobil Messe beworben haben“, erzählt Lehrer und Mentor Wolfgang Schmidt. Zunächst ging es nach Bielefeld. Für den Wettbewerb des Bobby Solar Cup 2010, bei dem Kinder bis zur siebten Klasse in Bobby Cars gegeneinander Rennen fahren, bekamen 25 Schulen im Bielefelder Umkreis einen Bobby-Car- und Photovoltaik Bausatz gestellt, mit dem die Schüler innerhalb von vier Monaten ein elektronisch solarbetriebenes Fahrzeug entwickeln sollten. Im Bausatz enthalten waren jedoch lediglich das Bobby Car, ein kleiner Elektromotor, eine Antriebssteuerung und ein Anhänger mit Solarzelle. „Die Zeit war knapp, denn erst mal mussten wir uns überlegen, wo wir am besten ein geeignetes Fahrwerk und eine Schaltung herbekommen“, berichtet Schmidt. Die Schüler stellten sich der Frage, wie man das Fahrwerk aufbauen kann, damit das Bobby Car für Rennen geeignet ist, und wo es vielleicht schon kleine Elektrofahrzeuge gibt? Schnell fanden sich das Fahrwerk eines Rollstuhls und eine Sieben-Gang-Schaltung eines High-Tech-Mountainbikes zur Lösung des Problems. Kooperationspartner waren mit den Firmen Meyra und Brasseler schnell gefunden. Die Zusammenarbeit mit der Industrie gelingt der Realschule Lemgo schon über Jahrzehnte wunderbar. „Ziel dieses Projektes war es, Schülern die Arbeitsvorgänge der Industrie nahezubringen“, erläutert Lehrer Schmidt. Das ist gelungen. Denn immer mehr Schüler der Realschüler beginnen eine Ausbildung bei den Kooperationspartnern.
Ähnlich wie im Alltag teilte sich der Technik-Kurs in eine Praxis- und Theoriegruppe, die dafür verantwortlich war, die technischen Prozesse in Zusammenarbeit mit Fachausbildern bis in kleinste Detail zu planen. So durften natürlich neben Gaspedal, Bremse und Lenkung auch Hupe, Blinker, Scheinwerfer und ein schicker Tacho nicht fehlen. „Ich bin wirklich stolz auf meine Schüler“, sagt Schmidt, „sie haben fast alles in Eigenregie entworfen und angefertigt.“

„Sicher konnten wir uns es da nicht verkneifen, ein paar Proberunden auf dem Schulhof zu fahren. Wir wollten doch sehen, wie viel die Bobbys leisten und ob sie sicher genug für die Kleinen sind“, erzählt Philip. Die fühlten sich beim Bobby Solar Cup wie echte Rennfahrer. Die Realschule Lemgo landete beim Rennen mit einem 7 jährigen Grundschüler sogar auf den vorderen Rängen und wurde für die Arbeit an ihrem ersten elektronischen Fahrzeug mit einer Ausstellung auf der Solar Mobil Messe in Berlin ausgezeichnet. Wenn wir also in den nächsten Tagen kleine rote Bobby Cars herum flitzen sehen, dann wissen wir, dass sie eine lange Reise hinter sich hatten.

Von Marc Philipp Meyer

 

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