Vorlesewettbewerb

Kreisentscheid der besten Vorleser

Jan-Lucas, Bartimäus und ein denkwürdiger Salzufler Nachmittag

Überall konzentrierte Gesichter, ein letztes Zurechtrücken der Kleidung, nervöses Flüstern unter allen Beteiligten - das Fußballtraining ist abgesagt, die Reitstunde verschoben und mancher Zuschauer hat sich für diesen Moment extra frei genommen. Natürlich ist auch die Presse da und prüft, bewaffnet mit Kamera und Laptop, fachmännisch, was da vor sich geht. Was sich zunächst anhört wie ein Theater- oder Konzertauftritt ist der diesjährige Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs in der Bibliothek in Bad Salzuflen. 15 Kandidaten und Kandidatinnen im Alter von 12 Jahren kämpfen mittwochnachmittags um die Qualifikation für den Bezirksentscheid – mittendrin Jan-Lucas Culencord.



Der Schüler aus der 6b hat sich im schulinternen Wettbewerb durchgesetzt und darf nun unsere Realschule in der Kurstadt vertreten. Dafür hat er sich viel vorgenommen, hat akribisch mit Eltern und Lehrern vorher geübt und sich Gedanken gemacht, wie Betonung und Körpersprache seinen Vortrag unterstreichen sollen. Begleitet durch seine Eltern, einen Freund und einen Betreuungslehrer soll der große Wurf gelingen.

Der Ablauf sieht vor, dass er und die übrigen beteiligten Schüler den rund 50 Zuschauern und der Jury in einer ersten Runde einen von ihnen ausgewählten Text vorstellen. Jan-Lucas liest aus „Bartimäus – Das Amulett von Samarkand“ – einem Fantasyroman von Jonathan Stroud – in dem der Dämon Bartimäus den Auftrag erhält ein wertvolles Amulett zu stehlen. Sicher und routiniert wie die Hauptfigur des Romans tritt auch der Sechstklässler auf und schafft es dabei seinen Vorgängern auf dem Podest die Show zu stehlen. Immer wieder lächelt er geschickt Publikum und Jury an und verlässt zufrieden nach etwa drei Minuten die Bühne, um Platz für den nächsten Bewerber zu machen.

In Runde zwei müssen die Vorleser nun einen Text wiedergeben, den Bibliotheksleiterin Regine Link ausgesucht hat und den keiner der Kandidaten zuvor zu Gesicht bekommen hat. Auf dem Programm steht „Das Blaubeerhaus“ von Antonia Michaelis und jeder der Jugendlichen kämpft sich etwa eine Seite lang durch den anspruchsvollen Text. Auch hier macht Jan-Lucas eine gute Figur, spricht Fremdwörter und englische Namen gekonnt richtig aus und verlässt nach etwa zwei Minuten das Rampenlicht unter Applaus.

Nach zwei starken Auftritten darf sich der Bücherfan nun berechtigte Hoffnungen auf den Sieg machen, wenngleich die Konkurrenz, die auch Schüler von Gymnasien, Gesamt- und Hauptschulen umfasst, groß ist. Gerade einige Mädchen von Gymnasien konnten ebenfalls überzeugen und riefen mit ihrer Performance wohlwollendes Lächeln in der Jury hervor.

Als der Moment der Urteilsverkündung kommt, wird es im Bibliotheksraum mucksmäuschenstill. Regine Link zieht den Moment der Wahrheit fernsehreif in die Länge und verteilt die Infos zum Sieger nur scheibchenweise unter den Zuhörern. Doch nach all dem Warten wird klar – der Sieg geht in den lippischen Osten. Madita Tönebön vom Barntruper Gymnasium ist nach Jurymeinung die Beste und darf den Kreis Lippe auf Bezirksebene in Paderborn vertreten.

Enttäuschung ist in Jan-Lucas´ Gesicht dennoch nur kurz zu sehen. Er hat neben einer guten Leistung auch ein Erlebnis bekommen, das er so schnell nicht vergessen wird. Und letztlich ist neben höher, schneller, weiter – das wissen nicht nur Olympia-Teilnehmer – manchmal dabei sein alles.                                       Sebastian Wiesner

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