Go Ahead

Story über coole Neu-Helmträger

Ehrenurkunde für Mariana Bruch beim Wettbewerb „Go Ahead“ 

„Go Ahead – der Schulwettbewerb“, ausgerichtet von der Unfallkasse NRW, und Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann suchten auch in diesem Jahr wieder tolle Beiträge zum Thema Sicherheit im Verkehr. Der Arbeitstitel lautete „Helm…? Läuft!“ Insgesamt nahmen 632 Schülerinnen und Schüler des Landes teil, sie reichten 117 Beiträge ein. So auch Mariana Bruch aus unserer jetzigen 8d.

Unter der Überschrift „Sicherheit ist was für Loser?“ entwickelte Mariana eine Kurzgeschichte. In dieser erleben die coolen Freunde Ray und Jack einen ziemlich spontanen und ziemlich heftigen Unfall, bei dem Ray einige Verletzungen einstecken muss, auch am Kopf. Ihm wird klar: Mit Helm wäre ihm wesentlich weniger passiert und fortan wird er nicht mehr ohne auf sein Bike steigen. Die ganze Geschichte könnt ihr hier nachlesen.

Wettbewerbsbeiträge konnten in den Kategorien Kurzgeschichte, Songtext/Song, Fotostory oder Videoclip eingereicht werden. In der Gestaltung waren die Schüler frei, vorkommen sollten jedoch (zumindest sinngemäß) die Begriffe Schulweg, ankommen, Helmträger und durchsetzen. Preise im Wert von 4.000 Euro wurden ausgelobt.

Leider hat es für einen der vorderen Plätze in diesem Jahr (noch) nicht gereicht. Aber auch auf die Ehrenurkunde kann und sollte sie stolz sein, die Story war wirklich gut. Und wer weiß? Im kommenden Jahr startet eine neue Runde, vielleicht reicht es dann für einen Platz auf dem Treppchen!? In jedem Fall unser herzlicher Glückwunsch und Danke für dein Engagement!                                                                                                               Stephan Krause

Sicherheit ist was für Loser?
von Mariana Bruch


Sommer. Eine Jahreszeit, auf die viele Kinder sehnsüchtig gewartet haben. Aber auch die Erwachsenen erfreuen sich an den saftig grünen Blättern und der strahlenden Sonne. Wie auch immer, egal in welcher Jahreszeit... die Schule bleibt stets eine Qual. „Ich will hier weg! Ich will schwimmen gehen, mit Mädels flirten, und Eis essen!“ Genervt verdrehte Ray die Augen. Jack, sein bester Freund, war ein typischer Schürzen-Jäger. Er flirtete mit allem und jeden, sei es selbst sein Essen. „Schon seit der 4. Stunde heulst du mir die Ohren voll! Ganz ehrlich, Jack... du bist eine verdammte Nervensäge.“
„Was? Was geht denn mit dir ab?... Du bist echt eine Spaßbremse“, murmelte Jack, anscheinend tief getroffen von Rays Aussage. 'Naja, wirklich verübeln kann ich es ihm auch nicht... Ich würde auch lieber mit meinem Fahrrad am Strand rumcruisen, anstatt Frau Ackermanns Vortrag über das menschliche Unterbewusstsein mit anhören zu müssen...'
Nach zwei schier endlos langen Stunden war es dann doch soweit: Schulschluss!
Es ist eine ganz andere Atmosphäre als im Winter. Die Schüler stürmen aus dem Gebäude, als ob gerade eine Horde Ochsen hinter ihnen her ist, woraufhin im Winter alle lässig, jedoch auch irgendwie trübselig, nach Hause latschen. Muss wohl am Wetter liegen.
„Yo, Ray! Hast du Lust, gemeinsam mit mir zum Nachmittags-Unterricht zu fahren?“ Oh stimmt. Da war ja noch was...
„Klar, lass treffen in 20 Minuten. Muss noch was schnabulieren.“ Mit einem verschmitzten Grinsen von Jack verabschiedeten sich die zwei Freunde erst einmal vorläufig. Den Nachmittags-Unterricht könnte man auch als Förder-Unterricht bezeichnen, denn die Schüler, die bei einem bestimmten Fach unter dem Schnitt liegen, werden hier zusätzlich gefördert. In diesem Fall ist es bei Ray Mathe.
Ein ungewolltes Seufzen entwich ihm, als er gerade sein Fahrrad aus dem Schuppen rauszog. 'Ich habe keine Lust auf Hausaufgaben', dachte er gequält, während er bedeutungslos auf seiner Lippe rumkaute.
Er stieg auf sein Transport-Mittel und düste los. Er fuhr diesmal eine Abkürzung durch die Stadt, da er sich gleich ja mit seinem besten Freund treffen musste. Sein Haus war eigentlich nicht weit von hier, läppische 40 Minuten sind nichts für einen Sport-Liebhaber wie Ray, und die Abkürzung verschafft ihm einen Weg von 15 Minuten. Doch unglücklicherweise wurde er bei einem Blumenladen angehalten, denn ein Polizist hielt ihm die Hand entgegen. „Junger Mann, man darf nicht einfach so gedankenverloren und locker wie du gerade demonstriert hast durch die Stadt fahren!“ Eine Zornes-Falte legte sich auf das Gesicht des Polizisten. 'Was will der Otto denn von mir?!' Ray holte tief Luft, ignorierte seinen knurrenden Magen und die innerliche Wut, und stieg vom Fahrrad ab. „Tut mir leid, Sir. Wird nicht wieder vorkommen.“ Der Beamte schien nicht sehr befriedigt von dieser halbherzigen Entschuldigung zu sein, denn er knirschte mit den Zähnen und tapste ungeduldig mit dem Fuß. „Okay, ich lasse es bei einer Ermahnung, jedoch möchte ich nun von dir hören, warum es eine schlechte Idee ist, ohne Helm oder sonstigem in der Stadt zu fahren.“
„Für wie alt schätzen sie mich, fünf? Helme sind was für Loser und uncoole Leute!“
Erst jetzt bemerkte Ray seine Wortwahl, und seine Respektlosigkeit. Doch statt Strafpredigten schüttelte der Polizist nur seinen Kopf, während er wegging und Ray nur diese letzten Worte hinterließ: „Wenn du in dein eigenes Verderben fahren willst, mach weiter so.“

Schlürfend und erschöpft öffnete er seine Haustür, noch immer ungläubig von der Reaktion des Polizisten. 'Er schien total enttäuscht zu sein… warum? Ich habe nur die Wahrheit gesagt!' Er fand zwei kalte Pizza-Stücke im Kühlschrank, die er einfach ohne weiteres gierig runter schlang. Seine Eltern waren noch arbeiten, also beschloss er, noch schnell was zu trinken, und sich auf's Rad zu schwingen. Für einen kurzen Augenblick dachte er daran, einen Helm anzuziehen, doch diese Idee verwarf er ruckartig. 'Ein Helm zerstört die Frisur, man schwitzt, man spürt den Wind nicht durch die Haare gleiten und es sieht einfach nur bescheuert aus...'
Und so schnappte er seine schwarze Tasche, rannte zu seinem Fahrrad und fuhr die Straße hinunter, bis zu einer Kreuzung.
Nach wenigen Minuten hatte er das Ziel seiner Begierde erreicht, und er sah schon Jack, der ihn ebenfalls erblickte, und ihm ein Schmunzeln schenkte.
„Da bist du ja! Das waren aber mehr als 20 Minuten.“
„Wen juckt's? Außerdem sollten wir uns allmählich beeilen – sonst wird uns Frau Meyer noch den Hof machen.“
„Haha, stimmt! Wäre jedoch interessant, ihre Reaktion zu sehen, so wie die immer ausflippt...“
Eine Weile lang war Ray stumm, bis er sich zu Wort meldete. „Sag mal, warum denkst du ziehen manche einen Helm an?“ Ungläubig starrte Jack ihn an. „Wasn jetzt? Du stellst echt die spontansten Fragen. Der einzige Grund, warum diese Hosenscheißer einen Helm anziehen, ist doch weil deren Eltern es denen aufbrummen! Freiwillig würde doch niemals jemand so'n Teil anziehen!“
Ray zuckte die Schulter. Da sprach er ihm aus der Seele.
Jack sprang auf sein wesentlich moderneres Fahrrad und fuhr schon vor. Ray seufzte, und tat dasselbe. Der Weg war holprig und voller Buckel, jedoch hielt es die beiden nicht davon ab, sich einen Wettbewerb zu liefern. Mal fuhr Jack vor Ray, und mal Ray vor Jack. Der Weg war schmal, sodass Ray auf der Straße landete. Er versuchte so nah wie möglich neben dem Bürgersteig herzufahren, was jedoch eine echte Herausforderung war, da sein Reifen öfter dagegen fuhr, und es fürchterlich laut quietschte. Ray blickte sich um, vor ihm war kein einziges Auto in Sicht. Perfekt. Nun fuhr er ganz auf die Straße, streckte seinem besten Freund die Zunge aus, fuhr im Zick-Zack und in Kurven. „Jaja, du hast wohl massig Spaß, was?“ rief Jack, sichtbar neidisch. „Dann komm doch auch!“, erwiderte Ray.
„Gleich, bei der nächsten Abzweigung! Da ist eh die Schule!“
Mit einem Nicken genoss Ray noch das Driften und Cruisen. Als er jedoch nach rechts abbog, kam ihm wie aus dem Nichts ein Auto entgegen. Er war unfähig, noch schnell zu reagieren; und kaum als er sich versah, stieß er einen Schrei aus. Licht, Schreie, entsetzte Gesichter und ein Metall-Geschmack waren die letzten Sachen, die er vernahm, als er langsam seine Augen schloss.
Weißes Licht, und ein bekannter Geruch stiegen ihm in die Nase, als er seine Augen öffnete. „Was...? Ich bin zu Hause?“ „Ray! Mein Schatz! Alles in Ordnung?“ Er blickte in das Gesicht seiner Mutter, die mit zitternder Hand seine hielt. Sein Vater beäugte ihn nur. „Mum… Dad...? Was zum Henker ist passiert?“ Erst jetzt bemerkte er seine heisere Stimme. „Du hattest einen Auto-Unfall. Ihr seid zusammengeprallt und du hattest ganz schön viele Wunden. Nur gut, dass der Mann Erste Hilfe konnte, andererseits wärst du...“ Sein Vater sprach die letzten Sätze immer leiser aus. „Ist das so..?“ Beide Elternteile nickten. „Du hast eine Gehirnerschütterung sowie verstauchte Beine... Da hattest du nochmal sehr viel Glück... Der Arzt sagte, eigentlich könnte noch viel Schlimmeres passieren, dennoch hat der Mann im Auto sehr schnell gehandelt.“ Ray wollte weinen. Er biss sich auf die Lippe und fasste sich langsam an den Kopf. Tatsache. Ein Verband wurde umgewickelt, sowie ein Kühl-Pack. „Es tut mir so leid... ich… ich… dachte doch nicht, dass jemals so etwas passieren würde...“ Seine Mutter nahm ihn fürsorglich in den Arm. „Sssh... alles ist gut, okay? Wir sind dir nicht böse, nur... zutiefst erschüttert.“ „Mhh... ja...“, schluchzte er. Sein Vater wuschelte ihm liebevoll seine Haare und flüsterte: „Denke mehr an die Sicherheit, okay? Mit Helm wäre dir vieles erspart geblieben“ „Ja...“ Mit einem müden, kleinen Lächeln verschwanden die beiden, um ihren Sohn schlafen zu lassen, der auch sofort eindöste.
Tage vergingen und Ray erholte sich immer mehr, bis er letzten Endes wieder Fahrrad fahren durfte. „Bin dann mal weg!“, rief er lächelnd seinen Eltern zu, als er aus dem Haus stürmte. Er stieg auf's Fahrrad und zog einen blauen Helm an. „Sicherheit vor Dummheit…“, murmelte er und fuhr die Straße hinunter. An der Ampel erwartete ihn schon wie üblich Jack.
Ebenfalls mit einem Helm.