Forscher-Camp-Chemie

Drei von uns beim Forscher-Camp Chemie in Jülich

 

„Gib mir irgendwas und ich mache etwas ganz anderes daraus!“

Im Rahmen unseres MINT-Profils hatten Michelle Kuipers, Max Blank und Jonathan Rabe die Möglichkeit, an einem zweitägigen Forscher-Camp Chemie am Science College in Jülich teilzunehmen, das Anfang September stattfand. Eine Reportage.

Schon die Anreise ist ein Abenteuer: Da Jülich so weit weg ist, müssen wir schon am Donnerstag anreisen, obwohl das Camp erst am Freitag losgehen soll. Also setzen wir uns in Lemgo in den Zug. Wie es mit der Bahn so ist, hat sie manchmal auch Verspätung. So kommen wir zu einer unfreiwilligen Pause in Köln, die wir dazu nutzen, einen kurzen Blick auf den Dom zu werfen.

Als wir dann in Jülich ankommen, sind wir sehr positiv überrascht: Das Kloster Haus Overbach, das das Science College betreibt, hat ein sehr komfortables Gästehaus mit schick eingerichteten Zimmern. „Purer Luxus“, befindet Max.

Am nächsten Morgen sind nach dem Frühstück auch die Gruppen von den anderen Schulen aus der etwas näheren Umgebung angekommen. Wir sind natürlich sehr gespannt, wer da mit uns die nächsten zwei Tage verbringen würde. Wie sind denn die anderen so? Und wie viele sind sie? Sie sind 13 weitere Schüler aus Aachen, Olpe, Emsdetten und Marl. Und insgesamt sind sie ganz bis sehr nett, so dass es auch auf der menschlichen Seite gut ist.

Nach einer kurzen Besichtigung des Science College, in dem es sogar eine Wetterstation und eine Dachterrasse für astronomische Himmelsbeobachtungen gibt, geht es dann in „unser“ Labor. Schreibzeug muss draußen bleiben: „Das stört im Labor nur. Außerdem seid ihr zum Denken da“, meint Herr Franke, der das Camp leitet.

Im Labor wird zunächst der Umgang mit dem Gasbrenner trainiert, bevor es dann richtig losgeht.
Wir halten Glas in die Flamme, Kupfer und Magnesium. Da wird es dann schon richtig interessant, einmal weil die Magnesiumflamme so hell ist, dass man nicht hingucken darf, aber auch weil das Magnesium hinterher gar nicht mehr wie Magnesium aussieht und es auch nicht mehr ist.

„Chemie ist: Gib mir irgendwas und ich mache etwas ganz anderes daraus.“ So kurz kann man das auf den Punkt bringen.


Was ist im Leitungswasser? „Mehr als man denkt, nicht nur Wasser und Kalk, sondern auch die Reste der Anti-Baby-Pille. Aber das ist eine andere Geschichte, die gehört nicht hier her.“ Andere Geschichten kennt Herr Franke eine ganze Menge, die gehören alle nicht hier her, aber manchmal hat er doch ein bisschen erzählt...

Nach dem leckeren Mittagessen geht es weiter mit den Mineralien: Auflösen, auf den Objektträger aufbringen, etwas antrocknen lassen und mikroskopieren. Und was sieht man, wenn man das mit Tomaten und Gurken macht?

Vor dem Abendessen werden einige schon etwas müde. Der echte Forscher hört ja nicht um 17 Uhr auf, nur weil das so auf dem Programm steht. Jetzt geht es noch um die Säuren. Die meisten sind fest und wirken erst mit Wasser ätzend. Dann allerdings lösen sie sehr schnell ein Stück Magnesium auf. Dabei „blubbert“ es nicht etwa, sondern Jonathan hat richtig erkannt, dass „Blasen aufsteigen“. „Mit der Sprache muss man immer sehr genau umgehen.“ Das Gas, das sich dabei bildet, wird entzündet; dann sind alle wieder wach, denn es knallt ziemlich. Das war gut, jetzt gehen wir doch noch zum Abendessen. Uff..., endlich etwas Pause.

Gut gestärkt geht es zurück zum Astronomie-Abend. Wir dürfen durch das große Teleskop schauen. Am Himmel ist noch nichts zu sehen, weil es noch hell ist. Stattdessen sehen wir uns die Würmer in den Äpfeln einer etwas weiter entfernten Obstbaum-Wiese an. Da kommen uns die Äpfel ganz schön nah... Leider geht später zwar die Sonne unter und es wird dunkel, aber am Himmel ist immer noch nichts zu sehen, weil Wolken aufziehen. Stattdessen gibt es dann eine Computersimulation am großen Smartboard. Dabei lernen wir, dass es die Erde nur gibt, weil irgendwann Sterne explodiert und gestorben sind. Aus dem Sternenstaub können sich dann neue Sterne und Planeten bilden. Der größte Teil der Atome, aus denen wir bestehen, hat im Schnitt schon drei Sternenexplosionen erlebt. „You are stardust...!“ Mit diesen beeindruckenden Erkenntnissen gehen wir dann schlafen.

Am nächsten Tag geht es dann an die Untersuchung von Lebensmitteln. Im Apfel ist Säure und Wasser, auch das Glibbrige in der Gurke besteht zum Teil aus Wasser. Für diesen Nachweis basteln wir uns einen Wasserindikator. Der besteht aus Kupfersulfat, einer weißen Substanz, die blau wird, wenn sie mit Wasser in Berührung kommt.

Anschließend lernen wir, dass der glibbrige Teil des Eis kein Eiweiß, sondern Eiklar ist und dass im Eiklar gar nicht so viel Eiweiß wie im Eigelb ist. Alles klar? Aber etwas Eiweiß ist auch im Eiklar und das kann man sichtbar machen, wenn man es zerstört. Durch Hitze zum Beispiel. Oder durch Säure. Das kann auch im Körper geschehen, wenn man zu viel Stress hat. Dann fängt die Magensäure an, die Eiweiße im Magen zu zerstören und verursacht Bauchschmerzen. Auch Schwermetalle können Eiweiße (z.B. im Gehirn) zerstören. Deshalb kann eine Schwermetallvergiftung zu Beeinträchtigungen der Denkfähigkeit führen.

Mit diesem Exkurs in die Medizin endet das Forscher-Camp und es wird Zeit für die Abreise. Während der Rückreise haben wir noch viele interessante Diskussionsthemen: über die Stoffe im Wasser, über den Sternenstaub und die Entstehung der Welt. Insgesamt sind wir uns einig, dass man auch noch 14 Tage weiter so hätte lernen können. So viele Informationen waren zwar anstrengend, aber es war doch ganz anders als Schule und hat viel Spaß gemacht. Schließlich behauptet in der Schule nie ein Lehrer, dass Schreibzeug stören würde...                          Claudia Brohl